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Praktikum in Uganda

Es besteht die Möglichkeit, an den Bukedea Lifeline Schulen ein Praktikum zu absolvieren. Weitere Informationen über die Praktikumsvermittlung finden Sie hier.

Zu Beginn des Jahres 2012 konnten wir unsere erste Praktikantin nach Uganda vermitteln.
Julia Buchholz, Studentin aus Münster, besuchte im Rahmen eines Praktikums unsere Projektschule in Uganda. Vom 04.Februar 2012 bis zum 27.April 2012 unterrichtete sie an den Bukedea Lifeline Schulen im Distrikt Kumi (Uganda) Englisch und konnte unsere bestehende Partnerschaft weiter ausbauen und festigen.

Julia teilte ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit uns. In regelmäßigen Abständen schrieb sie ihren Alltag in einem Blog auf und untermalte ihre Beschreibungen mit Bildern.

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Bericht 1 - Die ersten zwei Wochen...
Bericht 2 - Kampala und Dorferlebnisse
Bericht 3 - Und doch Malaria...


Die ersten zwei Wochen…

Nach einem 9stündigen Flug von London Heathrow bin ich endlich in Entebbe, Uganda angekommen. Das Wetter war, wie zu erwarten war, sehr schön. Julius und sein Bruder Henry standen am Ausgang, wo sie auf mich gewartet haben. In der Menschenschar, die alle Schilder hoch hielten, war es gar nicht so einfach Julius zu finden. Als ich ihn gefunden habe, sind wir zuerst zu seinem Bruder Henry gefahren, wo mir Abendessen serviert wurde. Dabei konnte ich mich direkt an eine Sitte gewöhnen, nämlich, dass einem vor dem Essen die Hände gewaschen werden. Nach dem Essen, es gab Hühnchen, Reis und irische Kartoffeln, fuhren Julius und ich nach Kampala zu Beatrice, der Frau seines Bruders. Entlang des Weges gibt es unzählige Bars und Discos und von überallher ertönte laute Musik.

Am Sonntag ging es dann früh los Richtung Kumi. Auf unserer Fahrt haben wir noch einen kurzen Aufenthalt an der Quelle des Nils eingelegt. Kurz vor Kumi sind wir nach Bukedea, wo ich zum ersten Mal meine Praktikumsschule gesehen habe. In Kumi angekommen sind wir in mein befristetes neues Zuhause gefahren, wo ich mich direkt an die Dunkelheit gewöhnen musste, denn in diesem Haus haben wir keinen Strom und auch kein fließendes Wasser. Momentan werden Stromleitungen verlegt und mit etwas Glück haben wir Ende des Monats Strom. Ich bezweifel es allerdings, weil hier doch alles etwas ohne Zeitplan abläuft. Unsere direkten Nachbarn sind ein holländisches Pärchen, das für die Stromversorgung zuständig ist.

Montag früh ging es dann zur Schule, wo ich einen Teil der Lehrerkollegen getroffen habe, die alle sehr nett sind. Die Sekretärin und Frau des Headteachers hat mich herumgeführt und mir die Schule gezeigt. Am Dienstag habe ich meinen Stundenplan bekommen, der vorsieht, dass ich Montag, Dienstag und Samstag jeweils die Klassen Senior 1-3 (Klasse 8-10) in Englisch und Senior 5 und 6 in Geschichte unterrichten soll.

Am Mittwoch bin ich mit einem Team des Krankenhauses in eine kleine Krankenstation in Omateng gefahren, wo drei holländische Medizinstudenten Patienten behandelt haben. Es war sehr interessant zu sehen, wie ohne Hilfsmittel und mit vielen Verständigungsproblemen die Patienten behandelt und therapiert wurden.

Am Samstag, den 11.02.2012, mussten an der Bukedea Lifeline Secondary School die Mädchen medizinisch untersucht werden. Dabei ging es vor allem darum, schwangere Mädchen ausfindig zu machen, aber auch nach der Gesundheit der Mädchen zu fragen. Die Untersuchungen wurden von Rebecca, der Frau von Julius durchgeführt. Durch unsere Untersuchungen haben wir ein Mädchen ausfindig gemacht, das bereits in der 23. Woche schwanger war und sofort von der Schule verwiesen wurde. Die Schule erlaubt keinen schwangeren Mädchen am Unterricht und an Prüfungen teilzunehmen. Nachdem wir die Hälfte der Mädchen untersucht haben, mussten wir zum wöchentlichen Treffen der Direktoren und der Schulleiter der Primary und Secondary School. In diesem Treffen wurden mir die Gründe für die Gründung der Lifeline Schulen und deren Ziele vorgestellt. Im weiteren Verlauf wurde die Entwicklung der Schule beschrieben. Seit 2009 steigt die Schülerzahl kontinuierlich und liegt mittlerweile bei ca. 1000 Schülern an der Secondary School und 500 an der Primary School. Nachdem die Schule vorgestellt wurde, habe ich Glocal Lifelearn vorgestellt. Danach begann ein anderer Abschnitt des Treffens, in welchem ich auf einen afrikanischen Namen getauft wurde und somit in die Familie der Bukedea Lifeline Schulen aufgenommen wurde. Der Name der mir gegeben wurde, lautet Ikaidu, was so viel bedeutet eine Person mit einem guten Charakter zu sein, die zudem darum bemüht ist die Familie zu beschützen und zusammenzuhalten. Um die Zeremonie zu vervollständigen gab es noch einen Geburtstagskuchen und ein üppiges Mahl. Nach dem Essen wurden die Schulen betreffende Probleme behandelt.

Am Sonntag bin ich mit Rebecca in die Kirche gefahren, was ein einmaliges Erlebnis war. In der ersten Stunde haben die Menschen gesungen, getanzt und gebetet und alles war sehr lebhaft. Danach begannen Predigten mit Gesängen.

Montag, den 13.02.2012, habe ich das erste Mal an der Bukedea Lifeline School unterrichtet. Der Schulalltag fängt morgens um 8 Uhr an und hört um 4:40 Uhr auf. Zwischen 13 und 14Uhr gibt es eine Mittagspause, in der die Schüler Mittagessen bekommen, meistens Posho (eine Kleie aus Maismehl) und Bohnen. Eine Unterrichtsstunde dauert 40 Minuten, aber in den meisten Fällen haben die Schüler entweder eine Doppel- oder sogar eine Dreifachstunde. Der Unterricht in Senior 1 war sehr gut, obwohl ich mehr als 150 Schüler in dem kleinen Klassenraum sitzen hatte. Nach der Doppelstunde in S1 hatte ich drei Stunden frei, welche ich mit einem Besuch in der Primary School ausgefüllt habe. Vor Ort konnte ich mich von der schlechten Raumsituation überzeugen, denn teilweise sitzen die Lehrer mitten in der Schülerschar auf den Pulten der Schüler, von wo aus sie unterrichten. Ein neues Gebäude für die Primary School ist schon gebaut, aber bisher fehlt immer noch das Dach, weshalb sie noch nicht umziehen können. Auf meine Frage, wann das neue Gebäude endgültig fertiggestellt werden wird, konnte man mir leider keine genauen Angaben machen. Nach dem Besuch der Primary School habe ich Senior 2 unterrichtet, was leider kein Erfolg war. Die Schüler waren mehr damit beschäftigt sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, als sich mit den von mir gestellten Aufgaben. Teilweise hatte ich auch das Gefühl, dass die Schüler kein Englisch verstanden, was die Kommunikation enorm erschwerte. Es ist möglich, dass ich diese Klasse abgeben werde, aber vorher werde ich noch einmal versuchen sie zu unterrichten.

Dienstag, den 14.02.2012: An diesem Tag sollte ich wieder nach Bukedea fahren, allerdings ging es mir am Morgen so schlecht, dass Rebecca mich mit ins Krankenhaus genommen hat, um mich auf Malaria zu überprüfen. Der Test war jedoch negativ, aber trotzdem bin ich an diesem Tag zu Hause geblieben. Am Abend haben mich unsere holländischen Nachbarn und die Medizinstudenten mit einem Geburtstagskuchen und einem kleinen
Geburtstagsumtrunk überrascht.

Donnerstag, den 16.02.2012: Morgens um 10 bin ich mit einem Boda Boda zum Lake Bisina gefahren, wo ich mich mit den Anwohnern unterhalten habe, die mir erklärt haben, dass sie sich nicht trauen auf den See zu fahren, weil die Wellen zu hoch schlagen und sie nicht schwimmen können. Trotzdem hat sich ein netter Fischer dazu bereit erklärt mit mir ein wenig auf den See zu fahren, aber wir sind ganz dicht am Ufer geblieben und schnelle wieder zurück gefahren. Danach bin ich etwas entlang des Sees gelaufen, wo mir Kinder begegnet sind, die allerdings Angst vor mir der Mzungu Frau hatten. Am Mittag bin ich dann wieder mit meinem Boda Boda Fahrer zum Krankenhaus gefahren, wo ich Rebecca getroffen habe. Am Abend sind wir zusammen nach Kumi Town gefahren, wo wir für das Abendessen eingekauft haben und ich habe mir noch einen Rock gekauft, weil einige Lehrer der Schule es anstößig finden, wenn ich in Hosen unterrichte.

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Kampala und Dorferlebnisse

Dienstag, 21.02.2012
Ich habe langsam die Vermutung, dass wir in einem Haus voller Krankheitsfälle leben, denn die Hälfte der Familie ist krank, sogar Julius ist von Kotido nach Hause gebracht worden, weil er sich am Montag am Kopf verletzt hatte und zu einem CT Scan nach Mbale musste. Aber Gott sei Dank hat er sich nicht ernsthaft verletzt.
Rebecca hat von ihrem Vater einen Hahn geschenkt bekommen, den sie sofort, als sie zu Hause ankam für das Abendessen geschlachtet hat.

Mittwoch, 22.02.2012
Morgen geht es mit den holländischen Medizinstudenten, die am Kumi Hospital gearbeitet haben nach Kampala! Heute werden nur Vorbereitungen für die Reise getroffen.

Donnerstag 23.02.2012
Geplante Abfahrt 11Uhr wurde dann aber doch erst 13:30. So langsam gewöhne ich mich an die afrikanische Zeitrechnung ;) Nach sechsstündiger Fahrt sind wir dann endlich in Kampala angekommen, wo wir sofort ins Hostel sind, um uns umzuziehen. Die Fahrt von der Bushaltestelle zum Hostel war ziemlich aufregend. Der Verkehr in Kampala ist einfach total verrückt, jeder fährt wie er will und dann sind überall noch Schlaglöcher. Hier braucht man nicht nur einen Schutzengel! Danach gab es lecker Abendessen beim Italiener, was ich nach drei Wochen Reis, Bohnen und Matooke richtig genossen habe. Nach dem Essen sind wir in eine Mzungu (weiße Leute) Bar gefahren und haben ugandische Freunde der Medizinstudenten getroffen. Der Abend endete leider damit, dass unser Geld gestohlen wurde. Danach ging’s mit dem Boda Boda ins Hostel.

Freitag, 24.02.2012
Nach einem europäischen Frühstück ging es zum Souvenirmarkt, wo wir uns mit ein paar Souvenirs eingedeckt haben. Um 16Uhr sind wir in eine Mall gefahren, von wo aus ich wieder mit anderen Holländern, die am Kumi Krankenhaus ein Stromprojekt leiten, nach Kumi gefahren. Um 23:30 sind wir endlich angekommen.

Samstag, 25.02.2012
Erst habe ich in Senior 2 und 3 unterrichtet und danach bin ich zur Primary gegangen, weil ich ein Gespräch mit dem Vater eines von uns unterstützten Jungen führen musste. Der Junge kam nicht regelmäßig zur Schule und ich wollte erfahren, warum er nicht in der Schule ankommt. Der Vater konnte mir keine Antwort darauf geben, hat mich aber gebeten, dass wir darüber nachdenken, seine Tochter anstelle des Sohnes zu unterstützen. Nach Absprache mit Oliver und Julia W. sind wir übereingekommen, dass das Auswahlkomitee diese Entscheidung treffen muss und ich mit ihnen reden soll. Am gleichen Abend habe ich noch mit zwei Mitgliedern des Komitees geredet, die mit der Lösung einverstanden sind. Mit drei weiteren habe ich am Montag geredet, die ebenfalls einverstanden sind.

Sonntag, 26.02.2012
Mein Boda-Boda Fahrer hat meine Gastmutter und mich in sein Dorf eingeladen und dieser Einladung sind wir am Sonntag nachgekommen. Als wir in seinem Dorf ankamen wurde ich freundlich, aber auch mit sehr viel Scheu begrüßt. Als ich Ballons ausgepackt habe, kamen die Kinder angelaufen und das Eis zwischen uns war gebrochen. Das ganze Dorf, das aus dem Familienclan meines Fahrers besteht, war mit den Ernteerzeugnissen beschäftigt, weshalb wir geholfen haben Erdnüsse zu öffnen. Danach haben wir geholfen den Reis, der zum trocknen auslag, in große Behälter zu füllen, weil Regen nahte. Währenddessen haben die Frauen des Clans Essen im der Lehmhütte des Clanleaders serviert. Wir wurden zum Essen gebeten, und ich musste mich daran gewöhnen, dass außer uns Gästen keiner mit uns gegessen hat. Kurz nachdem wir zum Essen gebeten wurden, hat es heftig angefangen zu regnen. Es hat für mehrere Stunden nicht aufgehört zu regnen, aber es war sehr gemütlich in der Lehmhütte zu sitzen und den Regen draußen zu beobachten.

Montag, 27.02.2012
Heute habe ich zum ersten Mal Senior 5 getroffen, weil sie erst anfangen sich an der Schule zu melden. Die Stufe ist, im Vergleich zu den anderen enorm klein. Es werden zwar noch mehr werden, aber die Zahl wird sich auf ca. 40 Schüler beschränken, was unglaublich angenehm ist. Da kann man auch neue Unterrichtsmethoden anwenden.

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Und doch Malaria…

So, nach langer Zeit endlich noch mal ein Lebenszeichen von mir. Die letzten zwei Wochen waren äußerst verschieden.

Am 29.02. ist mein Vater zu Besuch gekommen und zusammen sind wir auf Safari in den Murchison Fall Nationalpark gefahren. Dort haben wir in Zelten geschlafen und nachts kamen die Nilpferde vorbei, um neben den Zelten genüsslich Gras zu fressen. Das war ganz schön merkwürdig, wenn man aus diesen kleinen Zeltfenstern sieht und direkt davor ein Nilpferd steht! Die Nilpferde waren aber nicht der einzige tierische Besuch, tagsüber kamen Warzenschweine und Paviane vorbei, um nach essbaren zu
suchen. Nach kurzen drei Tagen ging es wieder zurück nach Kampala und von dort nach Sipi Falls. Sipi Falls ist atemberaubend schön, nur leider konnten wir die Gegend nur für einen halben Tag geniessen, weil ich in der ersten Nacht krank geworden bin und wir am nächsten Tag direkt nach Kumi gefahren sind, wo Rebecca
meinen Zustand gut beobachten konnte. Am folgenden Tag sind wir nur in der Nähe des Krankenhauses geblieben, weil sich mein Zustand nicht wesentlich verbessert hat.

Am Donnerstag, 8.03., sind wir zu den Nyero Rockpaintings gefahren. Die Landschaft ist wunderschön, aber die Höhlenmalereien sind leider gar nicht mehr gut erhalten und man befürchtet, dass sie innerhalb der nächsten Jahre, durch die Wetterbedingungen, ganz verschwinden werden, außer man konserviert sie noch rechtzeitig. Am gleichen Tag sind noch drei Israelis in Kumi angekommen, die wir auf der Safari kennengelernt haben und die meiner Einladung zu kommen, nachgekommen sind. Am folgenden Tag sind wir alle zusammen nach Bukedea zu den Lifeline Schulen. An der Primary School haben wir mit den kleinen Kindern gespielt und danach sind wir zur Secondary School gegangen, wo wir nur kurz geblieben sind. Weil es mir am Nachmittag immer noch nicht viel besser ging, habe ich den Malariatest wiederholt und diesmal war er positiv. Wenigstens wusste ich dann, was ich habe und konnte Maßnahmen dagegen ergreifen. Am Samstag sind mein Vater und ich wieder nach Kampala gefahren, weil er zum Flughafen musste. Als ich Sonntagabend nach Hause gekommen bin, war ich ganz schön erledigt und die letzte Woche musste ich mich von der Malaria erholen, weshalb ich weder zur Schule noch irgendwas anderes gemacht habe.

Am Freitag, 16.03., bin ich jedoch zur Schule, weil um 10 morgens ein Fußballturnier stattfinden sollte. Als es dann endlich um 14 Uhr losging, war mein Interesse am ganzen Geschehen relativ gering, weshalb ich mir auch nur das erste Spiel angesehen habe. Das erste Spiel fand gar nicht statt, weil die Mannschaft nicht gekommen ist. Unsere Mannschaft, der Bukedea Life Line S.S., hat das zweite, wodurch sie sich in ihren schönen neuen Trikots für das Halbfinale am kommenden Montag qualifiziert haben. Die Freude war groß und nach dem Spiel bin ich nach Hause. Den restlichen Tag habe ich mich auf den Unterricht für den nächsten Tag vorbereitet.

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